Warum streicheln beim Hund so wichtig ist | MEIN HUND UND ICH MAGAZIN
Gesundheit, Erziehung, Bindung

Warum streicheln beim Hund so wichtig ist

Mit jedem Tätscheln festigen Sie die Beziehung zu Ihrem Hund. Streicheleinheitenkönnen Sie bei der Erziehung einsetzen, sie helfen Ihnen und dem Vierbeiner, gesundzu bleiben. Doch es kommt darauf an, wann und wie Sie Ihren Hund knuddeln. LesenSie, wie Sie’s richtig machen
Darum sollten Sie Ihren Hund streicheln © Pixabay: Alexas_Fotos



Schutz, Geborgenheit und Sicherheit

Kuscheln und Streicheleinheiten sind die ersten Erfahrungen, die ein neugeborener Welpe macht – noch bevor er Muttermilch bekommt. Die Mutter fährt ihm mit der Zunge sanft über den gesamten Körper und leckt ihn sauber. Der enge Körperkontakt zu Mutter und Geschwistern bestimmt seine ersten Wochen und festigt die wohligen Gefühle, die er dabei empfindet. Sein ganzes Leben lang wird er diese Streicheleinheiten mit Schutz, Geborgenheit und Sicherheit verbinden. Kein Wunder also, wenn Hunde sich so gern knuddeln lassen .Aber eben nicht von jedermann, nicht überall am Körper und nicht jederzeit. Damit Ihre Streicheleinheiten richtig ankommen und beim Hund genau das bewirken, das sie sollen – Bindung aufbauen, richtiges Benehmen fördern und Stress bzw.Schmerzen lindern –, ist es wichtig, sie genau zu dosieren.


Wo werden unsere Hunde gerne gestreichelt?

Spontane Umarmungen sind bei Menschen gang und gäbe, in Hundekreisen aber eher eine Provokation. Der kanadische Psychologieprofessor und Tierexperte Stanley Coren analysierte auf 250 Fotos, die Mensch und Hund in inniger Umarmung zeigten, die Körpersprache des Hundes: 80 Prozent der Vierbeiner zeigten Unbehagen, Stress, sogar Widerwillen. Die gut gemeinte innige Umarmung ist aus Sicht des Hundes eher ein Würgegriff. So also sollten Sie Ihre Liebe nur zeigen, wenn Sie ganz sicher sind, dass das Tier sie ebenfalls genießt. Auch das beliebte Kopftätscheln ist nicht wirklich hundegerecht. Viele Hunde weichen dabei aus, gehen rückwärts oder drehen den Kopf weg– alles Zeichen, dass die Zuwendung nicht gut ankommt. Die Hand, die frontal aufs Gesicht zielt, wirkt auf viele bedrohlich. Für die ideale Kuscheleinheit sollten Sie zu Boden gehen. Oder Ihren Hund neben sich auf die Couch setzen. Denn auf Augenhöhe genießen Hunde Ihre Streicheleinheiten wirklich. Eine echte Genusszone (nur unter Freunden) ist die Kehle. Streichen Sie von unten nach oben bis zur Schnauze hin und Sie können erleben, wie Ihr Liebling selig die Augen schließt. Auch der Bauch, wenn er präsentiert wird, gehört zu den sensiblen Körperteilen, die auf sachte Streicheleinheiten mit Wohlbehagen reagieren. Richtig kraulen und durchknuddeln dürfen Sie rund um Schwanzwurzel, Brust und Schulter. Nicht alle, aber die meisten Hunde genießen es, hinter den Ohren gekrault zu werden. Testen Sie’s: Wenn der Hund sich gegen die streichelnde Hand drückt, möchte er eine Fortsetzung. 


Streicheln als Anerkennung und Aufmunterung

„Gut gemacht“, „Genau so!“, „Ja, weiter!“, das alles können Sie mit einem kurzen Tätscheln ausdrücken. Allerdings müssen Sie diese „Bestätigung“ punktgenau einsetzen. Zum Beispiel beim Gehen an der lockeren Leine. Statt das Laufen mit einem Leckerchen als Belohnung zu unterbrechen, legen Sie nur kurz ein paar Finger auf die Schulter. Oder, wenn Ihr Hund auf Ruf sofort angesaust kommt. Gehen Sie in die Knie, streichenSie mit beiden Händen über den Rücken oder die Brust. Beruhigend und entspannend wirkt so ein kurzes Tätscheln oder Handauflegen bei nervösen und ängstlichen Hunden. Sie zeigen damit, dass Sie der sichere Schutz sind gegen alle Gefahren auf dieser Welt. Übrigens dürfen Sie, auch wenn es oft noch als „verboten“ bezeichnet wird, Ihren total verängstigten Hund auch mit einem Streichelgriff trösten. Das bedeutet nicht „Mitleid zeigen“, sondern „Zuversicht vermitteln“. Er spürt, wenn er sich eng an Sie drückt, wieder das „Nestgefühl“ seiner Welpenzeit.


Streicheleinheiten – wohldosiert  

Sehr schön hat das die Tierärztin und Verhaltensberaterin Dr. Barbara Schöning ausgedrückt. „Diewichtigste Ressource von allen, der Sozialkontakt, wird den meisten Hunden von ihren Besitzern fast inflationär hinterhergeworfen.“ Sie hat recht. Hunde sind gierig auf Streicheleinheiten, weil diese im Gehirn das Welpen-Wohlbehagen auslösen... 

Text: Ursula Birr 

Den ganzen Artikel finden Sie in Ausgabe 05/2016 


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